Gespräch mit Volker Pietzsch vom Mentoren-Media-Verlag auf der Leipziger Buchmesse
Der unheilige Mond
von Susanne Schulz

von Susanne Schulz
1969, die sommerliche Idylle einer fränkischen Kleinstadt. Kurz vor der ersten Mondlandung verschwindet die fünfzehnjährige Ingrid spurlos. Während die Welt mit angehaltenem Atem Richtung Himmel blickt, führen die Ermittlungen den zuständigen Kriminalkommissar tief in die Schattenseiten des beschaulichen Ortes. Jeder Hinweis zieht das Netz aus Verrat, Macht und Schuld enger zusammen. Gleichzeitig stößt der neunjährige Ferdi auf seinen heimlichen Streifzügen übers Land unwissentlich auf finstere Geheimnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus, die um jeden Preis verborgen bleiben sollen. Und schon bald verweben sich beide Spuren zu einer Geschichte, in der die Gegenwart und die Schatten der Vergangenheit unaufhaltsam aufeinanderstoßen.

Im Schreiben ist mir der fremde Blick wichtig. Daher habe ich meinen Debütroman im Jahr 1969 angesiedelt. Diese Zeit ist für viele Leserinnen und Leser zwar lange vergangen, aber noch präsent. Dennoch sind wir nicht mehr direkt involviert und können die Vergangenheit daher unaufgeregt betrachten und vieles genauer erkennen.
Meine Generation führt dieser Rückblick direkt zurück in ihre eigene Kindheit.
Der lupenartige und unverstellte Blick des neunjährigen Ferdi erlaubt uns das Staunen über eine Welt, die noch rätselhaft erscheint. Geheimnisse möchten erkundet und aufgedeckt werden. Zudem gehen Kinder vorurteilslos auf Menschen und Umstände zu. Aus diesen Aspekten entstehen Leichtigkeit, Humor und brenzlige Momente, denn Ferdi macht sich seinen eigenen Reim auf so manche Situation und geht furchtlos voran.
Im „Parzival“ des fränkischen Dichters Wolfram von Eschenbach, der aus der Gegend stammt, in der mein Roman „Der unheilige Mond“ spielt, ist das Mitgefühl ein wesentlicher Drehpunkt seiner Titelfigur. „Triuwe“ bedeutet Treue, aber auch soziale Verbundenheit. Ohne das Mitleid bliebe Parzival ein „tumber Tor“. Erst durch das Gefühl für das Leid anderer wird er zum wahren Gralskönig.
Ferdi ist insofern ein moderner Parzival, denn er verspürt Mitgefühl mit den anderen Figuren, ganz besonders aber mit dem Sinto Sacherli Reinhardt.
Das Werk „Der unheilige Mond“ zeichnet sich durch eine phantasievolle Geschichte mit geschichtlichem Hintergrund aus. Es ist verletzlich, anrührend und beschreibt die Lebensgeschichten vielschichtiger Generationen.
Der Autorin gelingt es, Emotionen authentiscsh zu vermitteln, wodurch ein bedeutender Beitrag zur zeitgenössischen Literatur hergestellt wird.
Frau Dr. Schulz wagt einen mutigen Blick in die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges und greift somit ein Thema auf, das bis heute gesellschaftliche Relevanz hat.
Zentrale Merkmale des Buches ind stilistische Brillanz und der Bezug zur fränkischen Heimat, wo die Autorin seit etlichen Jahren wohnt.
Frau Dr. Schulz hat mit ihrem Erstlingswerk einen Roman geschrieben, den man sehr gerne in einem Stück liest.
Die Autorin versteht es nicht nur, das Panoptikum einer fränkischen Kleinstadt wunderbar vor uns auszubreiten, sie schildert auch sehr genau die Vorgänge innerhalb eines Stadttheaters, in diesem Fall des Theaters in Königsberg. Auch die dortige Gegend breitet sich vor dem geistigen Auge aus: die Ostsee, die nahe Kurische Nehrung. Auch Hintergründe der ersten Mondlandung lernen wir kennen. Man bleibt als Leser immer dran, will wissen, wie es weitergeht. Ein hervorragendes Buch, eignet sich sehr gut als Weihnachtsgeschenk.
Ein beeindruckendes Erstlingswerk der Autorin Dr. Susanne Schulz. In einer fiktiven fränkischen Kleinstadt verschwindet ein junges Mädchen. Es stellt sich heraus , dass ihr Vater dunkle , menschenverachtende Experimente betreibt, die ihren Ursprung bereits in der Nazizeit hatten.
Das Buch wirft einen erschütternden Blick auf die Abgründe der Vergangenheit und zeigt wie alte Ideologien in neuer Form weiterleben können – auch im Jahr 1969 , dem Jahr der 1. Mondlandung.
Ein spannendes Buch, erzählt in einer wunderbaren Sprache zum Abtauchen in neue Welten.
Es ist Sommer. Es ist heiß. Und etwas braut sich zusammen.
Kreisförmig zieht es einen hinein in den Strudel dieser Geschichte, und selbst wenn man sich vornimmt, nach dem nächsten Kapitel aufzuhören, liest man weiter.
Dieses Werk entfaltet viele Ebenen: Da sind die Figuren mit ihren je eigenen Lebensgeschichten – mal harmlos, mal brutal –, da ist die Behaglichkeit der Sechzigerjahre, unter deren Oberfläche die Gespenster der Vergangenheit lauern. Da finden sich Zeitgeschichte und das heikle Thema der Zusammenarbeit zwischen den USA und nationalsozialistischen Wissenschaftlern – von der Autorin mutig ausgebreitet und mit großem Sachverstand recherchiert.
Das Buch ist zugleich ein Panoptikum einer fränkischen Kleinstadt – mit ihrem Friseursalon Israel, dem Café Hoff, der Buchhandlung der Charlotte Erl, dem Lehrer Henneberg, dem Museumsleiter, dem italienischen Eisverkäufer und all dem bunten Leben der Wirtschaftswunderjahre. Wer zur Boomer-Generation gehört, fühlt sich sofort in die eigene Kindheit zurückversetzt.
Es ist Sommer. Es ist heiß. Man genießt das Leben. Doch unter der Oberfläche schwelt eine Geschichte, die einen nicht loslässt.
Die Figur, die mich am meisten berührt hat, ist Sacherli Reinhardt – der Sinto mit KZ-Vergangenheit. Mehr sei hier nicht verraten, nur so viel: Man möchte seine Geschichte weitererzählen.
Stattdessen möchte ich das Buch von Herzen empfehlen – es ist filmreif!
Das Cover ist kongenial: Es zeigt die Hitze des Hochsommers in vermutlich fränkischer Landschaft. Im blauen Dunst braut sich etwas zusammen – besser, man sucht bald einen Unterstand.
Ein großartiges Debüt von Susanne Schulz!